Zweiholmtreppe: gerade, gewendelt, mit Podest oder Setzstufen

Welche Ausführung passt zu Grundriss und Nutzung?

Liegt die Entscheidung bei einer Zweiholmtreppe, werden gleich mehrere Entscheidungen miteinander kombiniert: Der Treppenlauf kann gerade oder gewendelt geführt werden. Ein Podest kann den Lauf ergänzen oder einen Richtungswechsel aufnehmen.

Setzstufen entscheiden darüber, ob die Zwischenräume zwischen den Trittstufen offen bleiben oder geschlossen werden.

Welche Ausführung sinnvoll ist? Das hängt dabei vor allem von Grundriss, Deckenöffnung, Antritt, Austritt, Laufrichtung und Nutzung ab. Deshalb sollte nicht zuerst eine optisch ansprechende Variante ausgewählt werden.

Zunächst muss geklärt werden, wie die Treppe im Gebäude funktionieren soll.

Zweiholmtreppe mit Holzstufen, Setzstufen, dunkler Stahlkonstruktion und Glasgeländer

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Zweiholmtreppenlauf kann gerade oder gewendelt geführt werden.
  • Eine gewendelte Ausführung ermöglicht einen Richtungswechsel innerhalb des Treppenlaufs.
  • Ein Podest ergänzt den Lauf um eine ebene Zwischenfläche und benötigt entsprechenden Platz.
  • Setzstufen schließen die Zwischenräume zwischen den Trittstufen und können mit geraden, gewendelten oder Podestlösungen kombiniert werden.
  • Antritt, Austritt, Deckenöffnung und verfügbare Lauflänge bestimmen wesentlich, welche Ausführung sinnvoll ist.
  • Geländerführung und konstruktive Anschlüsse sollten bereits bei der Variantenwahl berücksichtigt werden.

Welche Entscheidungen bestimmen die Ausführung?

Bei Zweiholmtreppen werden drei unterschiedliche Entscheidungen häufig miteinander vermischt:

Verlauf des Treppenlaufs:
Der Lauf kann gerade oder gewendelt geführt werden.

Podest:
Je nach Grundriss kann der Treppenlauf durch ein Podest ergänzt werden.

Offene oder geschlossene Stufen:
Ohne Setzstufen bleiben die Zwischenräume offen. Mit Setzstufen werden sie geschlossen.

Diese Merkmale lassen sich grundsätzlich miteinander kombinieren. Eine gewendelte Zweiholmtreppe kann beispielsweise zusätzlich ein Podest oder Setzstufen erhalten. Auch eine Podesttreppe kann offen oder geschlossen ausgeführt werden.

Bei der Variantenwahl geht es deshalb nicht allein darum, einen einzelnen Begriff auszuwählen. Die Kombination, die zu Grundriss, Laufrichtung und Nutzung passt, ist hier maßgeblich entscheidend.

Geschosshöhe, verfügbare Lauflänge und Stufenaufteilung hängen dabei miteinander zusammen. Wird beispielsweise die verfügbare Lauflänge verändert, muss auch die geometrische Lösung des Treppenlaufs entsprechend geprüft werden.

Diese Randbedingungen lassen sich bei einer maßgefertigten Treppe deshalb nicht unabhängig voneinander festlegen.

Bei gewendelten Treppen kommt hinzu, dass sich die Stufengeometrie im Bereich des Richtungswechsels verändert. Lauflinie, Stufenform, Holmführung und Geländerführung müssen dort aufeinander abgestimmt werden.

Wann ist eine gerade Zweiholmtreppe sinnvoll?

Eine gerade Zweiholmtreppe passt, wenn Antritt und Austritt ohne Richtungswechsel miteinander verbunden werden können und ausreichend Lauflänge vorhanden ist.

Der Grundriss muss dabei nicht nur die Treppe selbst aufnehmen. Auch die Bereiche vor dem Antritt und am oberen Austritt müssen sinnvoll nutzbar bleiben.

Eine gerade Ausführung setzt vor allem voraus, dass:

  • ausreichend Länge für den Treppenlauf vorhanden ist
  • Antritt und Austritt direkt zueinander passen
  • kein Richtungswechsel erforderlich ist
  • angrenzende Laufwege durch die Treppe nicht ungünstig eingeschränkt werden
    die Deckenöffnung zum geraden Lauf passt

Fehlt die notwendige Länge, sollte ein gerader Lauf nicht in den Grundriss gezwungen werden. Dann kann eine gewendelte Lösung besser passen.

Wann passt eine gewendelte Zweiholmtreppe?

Eine gewendelte Zweiholmtreppe ist dann sinnvoll, wenn sich die Laufrichtung innerhalb der Treppe ändern muss. Das kann beispielsweise erforderlich sein, weil Deckenöffnung, Wände oder angrenzende Räume keinen langen geraden Lauf zulassen.

Durch die Wendung lässt sich die Treppe an unterschiedliche Grundrisse anpassen. Dafür werden die Stufen im Bereich der Richtungsänderung unterschiedlich geformt. Lauflinie, Stufengeometrie, Holmführung und Geländer müssen hier gemeinsam geplant werden.

Typische Gründe für eine gewendelte Ausführung sind:

  • ein Richtungswechsel zwingend erforderlich ist
  • Antritt und Austritt nicht auf einer geraden Linie liegen
  • die Deckenöffnung nicht zu einem geraden Lauf passt
  • die Treppe entlang einer Wand oder Raumkante geführt werden soll
  • die verfügbare Lauflänge für einen geraden Lauf nicht ausreicht

Ob die Treppe im Grundriss Platz findet, darf nicht allein der entscheidende Faktor sein. Die Stufen müssen auch im gewendelten Bereich sinnvoll begehbar bleiben.

Wann ist ein Podest bei einer Zweiholmtreppe sinnvoll?

Ein Podest ist eine ebene Zwischenfläche innerhalb des Treppenlaufs. Es kann einen längeren Lauf gliedern oder einen Richtungswechsel aufnehmen, ohne dass dieser ausschließlich über gewendelte Stufen gelöst werden muss.

Dafür benötigt das Podest zusätzliche Grundfläche und muss konstruktiv in Holmführung, Anschlüsse und Geländer eingebunden werden.

Ein Podest kann sinnvoll sein, wenn:

  • der Treppenlauf bewusst gegliedert werden soll
  • ein Richtungswechsel über eine ebene Zwischenfläche erfolgen soll
  • der Grundriss ausreichend Platz für das Podest bietet
  • Antritt, Austritt und weitere Laufwege dadurch sinnvoller verbunden werden können

Ein Podest ist aber kein Selbstzweck. Wenn die zusätzliche Fläche keinen funktionalen Vorteil bringt, kann eine gewendelte Lösung für den Grundriss besser geeignet sein.

Wie Holme, Podest, Anschlüsse und Geländer konstruktiv miteinander verbunden werden, erklären wir im Ratgeber Aufbau einer Zweiholmtreppe.

Was verändern Setzstufen bei einer Zweiholmtreppe?

Setzstufen schließen die Zwischenräume zwischen den Trittstufen: Damit wird aus einer offenen Stufenfolge eine geschlossenere Ausführung.

Diese Entscheidung ist unabhängig davon, ob die Treppe gerade, gewendelt oder mit Podest geplant wird, denn Setzstufen können mit diesen Ausführungen kombiniert werden.

Wichtig: Sie sollten aber bereits bei der Planung mit berücksichtigt werden, weil sie den Aufbau der Stufen, Befestigungen und sichtbaren Übergänge verändern. Eine nachträgliche Ergänzung sollte deshalb nicht vorausgesetzt werden.

Wer vor allem wissen möchte, wie eine offene oder geschlossenere Ausführung die gestalterische Wirkung verändert, findet die ausführliche Einordnung im Ratgeber Moderne Zweiholmtreppe.

Welche Rolle spielt das Geländer bei der Variantenwahl?

Die Geländerführung hängt unmittelbar vom Treppenverlauf ab. Bei geraden Läufen ist kein Richtungswechsel erforderlich. Bei gewendelten Treppen oder Podesten entstehen dagegen zusätzliche Übergänge, die bereits bei der Variantenplanung berücksichtigt werden müssen.

Befestigung und konstruktive Integration des Geländers behandeln wir im Ratgeber Aufbau einer Zweiholmtreppe.

Wie unterschiedliche Geländerarten die optische Wirkung verändern, erklären wir unter Moderne Zweiholmtreppe

Welche Variante passt zu welcher Situation?

Ausgangssituation Naheliegende Ausführung Besonders prüfen
Ausreichend Lauflänge und direkter Austritt Gerade Zweiholmtreppe Deckenöffnung, Antritt, Austritt, angrenzende Laufwege
Richtungswechsel oder begrenzte Lauflänge Gewendelte Zweiholmtreppe Stufengeometrie, Lauflinie, Holm- und Geländerführung
Richtungswechsel über ebene Zwischenfläche Zweiholmtreppe mit Podest Zusätzlicher Platzbedarf, Anschlüsse, Geländerfortführung
Zwischenräume zwischen den Stufen sollen geschlossen sein Zweiholmtreppe mit Setzstufen Stufenaufbau, Befestigung und konstruktive Übergänge
Mehrere Anforderungen treffen zusammen Kombination der Varianten Gesamtabstimmung von Grundriss, Lauf und Konstruktion

 

Nicht jede Entscheidung wird unabhängig getroffen. Eine gewendelte Treppe kann beispielsweise zusätzlich ein Podest oder Setzstufen erhalten. Deshalb sollte immer die Gesamtkonfiguration des Treppenlaufs bewertet werden.

Welche Fehler sollte man bei der Variantenwahl vermeiden?

Geraden Lauf in einen zu kurzen Grundriss zwingen.
Besser: Antritt, Austritt, Lauflänge und angrenzende Wege zuerst prüfen.

Gewendelte Treppe automatisch als platzsparend ansehen.
Besser: Stufengeometrie, Lauflinie und tatsächlich benötigte Grundfläche vergleichen.

Podest ohne funktionalen Grund einplanen.
Besser: Prüfen, ob die Zwischenfläche Lauf, Richtungswechsel oder Grundriss tatsächlich verbessert.

Setzstufen erst nach der Treppenplanung ergänzen.
Besser: Offene oder geschlossene Ausführung bereits beim Stufen- und Befestigungsaufbau berücksichtigen.

Geländer erst nach der Variantenentscheidung betrachten.
Besser: Geländerführung und Übergänge bereits mit Treppenlauf und Podest abstimmen.

Praxis-Einordnung aus Planung und Fertigung

Bei der Variantenwahl zeigt sich bereits im Grundriss, welche Lösungen realistisch sind. Deckenöffnung, Antritt, Austritt, Geschosshöhe, Wandverläufe und verfügbare Lauflänge geben den Rahmen vor.

Auch die fertigen Fußbodenhöhen an Antritt und Austritt gehören zu diesen Randbedingungen. Bodenaufbauten verändern die Höhen, an die die Treppenkonstruktion anschließt. Sind die späteren Bodenaufbauten während der Planung noch nicht endgültig festgelegt, müssen die vorgesehenen Aufbauhöhen bei Konstruktion und Anschlussplanung berücksichtigt werden.

Aus der gewählten Ausführung ergeben sich anschließend die konstruktiven Details. Bei gewendelten Treppen betrifft das beispielsweise die Stufengeometrie und Holmführung, bei Podestlösungen die zusätzlichen Übergänge und bei Setzstufen den Aufbau zwischen den Trittstufen.

Deshalb sollte die Grundform der Treppe feststehen, bevor einzelne Oberflächen oder gestalterische Details entschieden werden.

Hinweis zur Planung

Die Einschätzung in diesem Ratgeber basiert auf praktischer Erfahrung aus Planung, Fertigung und Montage individueller Treppenanlagen. Welche Variante einer Zweiholmtreppe sinnvoll ist, hängt immer von Grundriss, Deckenöffnung, Nutzung, Geländerführung und baulichen Anschlusspunkten ab.

Für konkrete Projekte sollten Maße, Laufkomfort, Befestigungspunkte und geltende Anforderungen individuell geprüft werden.

Mehr zum Unternehmen, zur Fertigung und zu Ansprechpartnern finden Sie auf der Seite Über Janßen Metallbau.

Häufige Fragen zu Varianten von Zweiholmtreppen

Können Podest und Setzstufen bei einer Zweiholmtreppe kombiniert werden?

Ja. Podest, Treppenverlauf und Setzstufen sind keine sich gegenseitig ausschließenden Varianten. Eine Zweiholmtreppe kann beispielsweise gewendelt oder mit Podest geplant und zusätzlich mit Setzstufen ausgeführt werden. Welche Kombination passt, hängt vom Grundriss und der geplanten Konstruktion ab.

Ist eine gewendelte Zweiholmtreppe automatisch platzsparender als eine gerade?

Nein. Eine gewendelte Treppe kann sich besser an bestimmte Grundrisse oder Richtungswechsel anpassen, ist aber nicht grundsätzlich platzsparender. Entscheidend sind Deckenöffnung, Antritt, Austritt, Stufengeometrie und die tatsächlich verfügbare Grundfläche.

Können Setzstufen bei einer Zweiholmtreppe später ergänzt werden?

Das kann je nach Konstruktion möglich sein, sollte aber nicht vorausgesetzt werden. Setzstufen beeinflussen Stufenaufbau, Befestigung und sichtbare Übergänge. Wenn eine geschlossene Ausführung gewünscht ist, sollte sie deshalb bereits bei der Planung berücksichtigt werden.